Vor der MPU, Antragstellung
Wenn es um Alkohol oder Drogen geht, muss zunächst geklärt werden, ob du Abstinenznachweise erbringen musst, und wenn ja, wie lange – oder ob du unter Umständen gar keine Abstinenz nachweisen musst. Das lässt sich nur in einem intensiven persönlichen Gespräch mit deinem MPU-Vorbereiter herausfinden.
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Wenn klar ist, wann die MPU stattfinden kann, sollte etwa drei Monate vor der geplanten MPU ein Antrag auf Neuerteilung der Fahrerlaubnis gestellt werden.
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Dabei ist Folgendes zu beachten:
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Wenn du in einer Stadt wohnst, stellst du den Antrag bei der Führerscheinstelle.
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Wenn du in einem Landkreis wohnst, gehst du zu deiner Gemeinde, stellst dort den Antrag, und dieser wird dann an die zuständige Führerscheinstelle weitergeleitet.
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Du benötigst Folgendes für den Antrag:
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deinen Personalausweis
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ein aktuelles biometrisches Passbild
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den Nachweis über einen Erste-Hilfe-Kurs, es sei denn, du hast bereits einen absolviert – dieser ist lebenslang gültig, darf aber nicht mit den „Sofortmaßnahmen am Unfallort“ verwechselt werden.
Wenn du einen Antrag stellst für:
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Klasse A (Motorrad) und B/BE (Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen)
Für diese Klassen reicht eine Sehtest-Bescheinigung vom Optiker.
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Klasse C1E (Fahrzeuge bis 7,5 Tonnen) und CE (Fahrzeuge über 7,5 Tonnen)
Diese Regelung gilt auch, wenn du den alten 3er-Führerschein hattest, mit dem man ebenfalls bis 7,5 Tonnen fahren durfte. Dafür benötigst du:
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ein augenfachärztliches Gutachten (Gültigkeit: zwei Jahre),
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eine Bescheinigung über eine ärztliche Untersuchung für LKW (kann vom Hausarzt erstellt werden, Gültigkeit: ein Jahr).
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Zusätzlich brauchst du ein Behördenführungszeugnis der Beleg-Art 0.
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Wenn du in einem Landkreis wohnst: Das Führungszeugnis wird mit dem Antrag auf der Gemeinde beantragt.
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Wenn du in einer Stadt wohnst: Du musst das Führungszeugnis separat bei einem Bürgerbüro beantragen.
Die Führerscheinstelle holt sich in jedem Fall einen aktuellen Auszug aus dem Verkehrszentralregister beim Kraftfahrt-Bundesamt. Dort werden alle Punkte gesammelt. Dadurch prüft die Führerscheinstelle, ob noch weitere Delikte vorliegen, von denen sie bisher keine Kenntnis hatte, oder ob es noch offene Strafverfahren bei dir gibt.
Nach etwa 3–4 Wochen solltest du ein Schreiben der Führerscheinstelle erhalten. Falls du bis dahin nichts erhalten hast, empfiehlt es sich, dort anzurufen und nachzufragen.
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In diesem Schreiben wird dir mitgeteilt, dass du eine MPU absolvieren musst und die Begründung. Es enthält zudem die Fragestellung(-en), die die Behörde an die Begutachtungsstelle hat.
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Beispiele für Fragestellungen:
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„Ist zu erwarten, dass der Untersuchte erneut ein Fahrzeug und/oder Kraftfahrzeug unter Einfluss von Alkohol führen wird und/oder liegen als Folge des Alkoholkonsums Beeinträchtigungen vor, welche das sichere Führen eines Fahrzeugs oder Kraftfahrzeugs der Klassen A + BE infrage stellen?“
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„Ist zu erwarten, dass der Untersuchte unter Einfluss von Betäubungsmitteln, Medikamenten oder anderen berauschenden Mitteln ein Fahrzeug führen wird und/oder bestehen infolge des Konsums Folgeschäden, die die Fahrsicherheit beeinträchtigen?“
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„Ist aufgrund des Verstoßes gegen verkehrsrechtliche Bestimmungen zu erwarten, dass Herr/Frau XY in Zukunft wiederholt erheblich gegen verkehrsrechtliche Bestimmungen verstoßen wird?“
Diesem Schreiben liegt eine Einverständniserklärung bei. Auf diesem Blatt sind mehrere anerkannte Begutachtungsstellen aufgelistet. Hier kannst du ankreuzen, bei welcher Begutachtungsstelle du die MPU machen möchtest.
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Du kannst die MPU bei jeder anerkannten Begutachtungsstelle in Deutschland machen!
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Es ist absolut in Ordnung und legitim, wenn du die MPU nicht bei einer der Begutachtungsstellen von der Liste der Führerscheinstelle machst. Du musst dir keine Sorgen machen, dass der Behörde das seltsam vorkommt.
Du kannst einfach deine gewünschte Begutachtungsstelle in die Einverständniserklärung eintragen. Danach trägst du deinen Namen und deine Adresse ein, unterschreibst das Formular und schickst es an die Führerscheinstelle zurück.
Akteneinsicht vor der Begutachtung.
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In dem Schreiben der Führerscheinstelle steht auch, dass du die Möglichkeit hast, Akteneinsicht zu nehmen, bevor die Akte an die Begutachtungsstelle geschickt wird.
Das solltest du unbedingt tun, wenn die Möglichkeit besteht, dass sich in der Akte Informationen befinden, die dir nicht (mehr) bekannt sind, oder Vorfälle enthalten sind, an die du dich nicht mehr oder nicht genau erinnern kannst. Vielleicht enthält die Akte auch Delikte, die so lange zurückliegen, dass sie gar nicht mehr berücksichtigt werden dürfen.
In solchen Fällen kannst du die Mitarbeiterin der Führerscheinstelle bitten, entsprechende Einträge zu entfernen.
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So funktioniert die Akteneinsicht:
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Ruf bei der Führerscheinstelle an und wende dich am besten an die Mitarbeiterin, die dir das Schreiben geschickt hat. Die Telefonnummer steht auf dem Schreiben.
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Vereinbare einen Termin zur Akteneinsicht.
In einigen Führerscheinstellen kannst du Kopien der Akte anfertigen (lassen). In Ausnahmefällen wird sogar die vollständige Akte kopiert. Meistens genügt es jedoch, mit deinem Handy Fotos von den relevanten Seiten zu machen.
Weiterer Ablauf:
Die Führerscheinstelle schickt deine Akte an die von dir ausgewählte Begutachtungsstelle.
In der Regel dauert es etwa ein bis zwei Wochen, bis du Post von der Begutachtungsstelle erhältst. Darin bedanken sie sich für den Begutachtungsauftrag und bitten dich, die Kosten für die Begutachtung zu überweisen.
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Terminvereinbarung:
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Nachdem du das Geld überwiesen hast, erhältst du in der Regel innerhalb von ein bis drei Wochen schriftlich einen Termin. Sollte der vorgeschlagene Termin nicht passen, kannst du dich bei der Begutachtungsstelle melden, um einen neuen Termin zu vereinbaren.
Ich empfehle meinen Klienten jedoch grundsätzlich, etwa zwei bis drei Tage nach der Überweisung selbst bei der Begutachtungsstelle anzurufen und telefonisch einen Termin zu vereinbaren. So hat man besseren Einfluss darauf, an welchem Wochentag und zu welcher Uhrzeit die MPU stattfinden soll. Insbesondere bei längerer Anreise ist ein Termin um 10:00 oder 11:00 Uhr sicher sinnvoller als einer um 8:00 Uhr morgens.
