Mythen, Märchen und falsche Informationen über die MPU
Im Laufe der Zeit wurde ich mit einer Unmenge an falschen Informationen und kuriosen Fragen konfrontiert. Die beruhen meistens auf Halbwahrheiten aus dem Internet oder auf Gerüchten und Geschichten, die immer wieder erzählt werden.
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Die kuriosesten Geschichten
Die absurdesten Geschichten, die immer wieder seit Jahrzehnten erzählt werden:
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Man würde bei der MPU angeblich drei Kugeln hingelegt bekommen und wird aufgefordert, diese aufeinander zu stapeln. Wenn man es versucht, sei man gleich durchgefallen.
Oder: Der Gutachter fragt, ob man die Tür hinter sich zugemacht hat. Dreht man sich um, weil man unsicher ist, soll das angeblich ein Grund sein, durchzufallen.
Das ist natürlich beides völliger Blödsinn!
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Solche dummen Geschichten tragen leider dazu bei, eine allgemeine Verunsicherung rund um die MPU zu verbreiten.
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Gibt es Fangfragen bei der MPU?
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Ich werde oft gefragt, ob bei der MPU Fangfragen gestellt werden.
Eine Fangfrage zielt darauf ab, jemanden zu verwirren, aufs Glatteis zu führen oder ihn reinzulegen. Manche Fangfragen sind so gemein, dass es keine richtige Antwort gibt – jede Antwort ist falsch.
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Eine kuriose Geschichte:
Ein älterer Mann lebt noch bei seiner Mutter. Am Heiligen Abend schenkt sie ihm zwei Krawatten, eine rote und eine blaue. Am nächsten Morgen zieht er die blaue Krawatte an und geht zum Frühstück. Seine Mutter fragt: „Gefällt dir die rote Krawatte nicht?“
Hätte er die rote Krawatte getragen, hätte sie vermutlich gefragt, ob ihm die blaue nicht gefällt. Hätte er keine Krawatte getragen, hätte sie gefragt, ob ihm die Krawatten nicht gefallen. Und hätte er beide Krawatten angezogen, hätte sie ihn für verrückt erklärt.
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Übertragen auf die MPU würde das bedeuten: Es gäbe angeblich Fragen, bei denen man nur falsch antworten kann. Doch solche Fangfragen gibt es bei der MPU definitiv nicht!
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Es werden bei der MPU keinerlei Fragen gestellt, um Kandidaten reinzulegen. Viele Menschen haben die Vorstellung, dass die MPU lediglich dazu dient, die Kandidaten reinzulegen und abzuzocken. Das entspricht jedoch nicht der Realität.
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In meiner 30-jährigen Laufbahn als MPU-Vorbereiter habe ich viele Gutachter und Gutachterinnen kennengelernt. Die meisten sind völlig in Ordnung, einige sogar sehr sympathisch, und nur sehr wenige sind etwas „strenger“. Ich habe jedoch niemanden erlebt, der gezielt versucht hätte, Kandidaten hereinzulegen.
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Das können sich die Gutachter heutzutage auch gar nicht erlauben, da die Begutachtungsstellen, und damit die Gutachten überprüft werden von der BASt, das ist die Bundesanstalt für Straßenwesen.
Eine befreundete Gutachterin hat mir gesagt, dass sie viel lieber ein positives Gutachten schreibt als ein Negatives. Diese Meinung habe ich auch von anderen Gutachtern und Gutachterinnen gehört.
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Kein Vorteil durch negatives Gutachten für die MPU-Stelle
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Es ist auch wichtig zu verstehen, dass weder die Gutachter noch die Begutachtungsstellen einen Vorteil davon haben, ein negatives Gutachten zu erstellen. Sie wissen ja nicht, ob du nach einem möglichen negativen Gutachten eine weitere MPU bei ihnen machen willst oder ob du dich danach an eine andere Begutachtungsstelle wendest.
Natürlich prüfen die Gutachter die Kandidaten genau und hinterfragen Vieles. Aber ihr Ziel ist nicht, jemanden reinzulegen, sondern eine faire und fundierte Beurteilung zu erstellen.
Weiterer Mythen und Missverständnisse:
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Einige Kandidaten, die mit Alkohol aufgefallen sind müssen Abstinenznachweise erbringen, weil sie offensichtlich mit Alkohol nicht mehr kontrolliert umgehen können. Manche meinen, dass es ausreichen würde zwölf Monate Abstinenz zu belegen und sie danach schon wieder gelegentlich Alkohol konsumieren könnten. Das ist aber nicht der Fall!
Ein Gutachter könnte einen Kandidaten mit folgender Situation konfrontieren:
„Angenommen, es steht bei Ihnen eine ganz besondere Feierlichkeit an – wie zum Beispiel die Hochzeit Ihres Kindes, die Taufe eines Enkels oder Ihre eigene goldene Hochzeit. Da könnten Sie doch einmal mit einem Glas Sekt anstoßen oder?“
Antwortet der Kandidat darauf mit „Ja“, ist das ein großes Problem. Warum?
Abstinenz bedeutet, dass es auch in Zukunft keine Ausnahmen geben darf! Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass eine Ausnahme oft der Einstieg in den erneuten, problematischen Konsum ist.
Kann eine falsche Antwort zum Scheitern führen?
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Die klare Antwort lautet: Ja!
Ein Beispiel: Ein Kandidat wurde mit zwei Promille Alkohol im Straßenverkehr erwischt. Der Gutachter fragt:
„Was und wie viel haben Sie vor dem Antritt der Fahrt getrunken?“
Antwortet der Kandidat darauf mit: „Drei bis vier Bier“, ist er definitiv durchgefallen. Warum? Weil diese Angabe wissenschaftlich nicht haltbar ist – um auf zwei Promille zu kommen, müsste man mindestens zehn bis zwölf Bier konsumiert haben!
Es gibt einige hilfsbereite Gutachter, die in solchen Fällen helfen und nachfragen:
„Könnte es nicht doch etwas mehr gewesen sein?“
Antwortet der Kandidat dann z. B. mit „Okay, vielleicht waren es fünf Bier“, ist das immer noch eine völlig unpassende Angabe. Korrekte und reflektierte Antworten sind essenziell.
Der Mythos: „Beim ersten Mal fällt man sowieso durch“
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Viele glauben, dass man beim ersten Mal sowieso durchfällt Diese Annahme ist jedoch falsch!
Ich erinnere mich an einen kuriosen Fall, bei dem mich jemand anrief und sagte:
„Ich möchte bei Ihnen eine MPU-Vorbereitung machen. Sie sind mir sehr empfohlen worden. Aber ich werde jetzt erstmal die erste MPU machen, weil man da ja sowieso durchfällt. Danach komme ich dann zu Ihnen.“
Ich konnte den Mann zum Glück überzeugen, direkt mit einer Vorbereitung bei mir zu starten – und er hat die MPU problemlos beim ersten Versuch bestanden.
Die Aussage, dass man es beim ersten Mal sowieso nicht schafft, hält sich sehr hartnäckig. Es ist zwar tatsächlich so, dass viele beim ersten Mal durchfallen, was aber ganz einfach daran liegt, dass sie entweder gar keine, oder eine schlechte Vorbereitung hatten.
Der Großteil der Kandidaten fällt bei der MPU sowieso durch
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Ein weiterer Irrglaube. Das stimmt aber nicht!
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Aus der Statistik 2022:
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Insgesamt wurden 87.180 Personen begutachtet.
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57,3 % erhielten ein positives Gutachten (geeignet).
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38,3 % wurden als ungeeignet eingestuft.
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4,4 % bekamen eine Empfehlung zur Teilnahme an einem Kurs gemäß § 70 FeV.
Quelle: Pressemitteilung Nr. 02/2023 der BASt vom 31.08.2023.
Man kann die 4,4 %, die eine Kurs-Empfehlung bekommen haben zu den 57,3 %, die ein positives Gutachten bekommen haben dazu zählen, denn bei dem Kurs wird man nicht bewertet und kann also nicht durchfallen, man muss nur teilnehmen.
D. h. 2022 haben 61,7 % die MPU geschafft, das sind also nahezu zwei Drittel!
Die MPU ist nur eine weitere Strafe
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Ein weiteres Missverständnis: Viele betrachten die MPU als zusätzliche Strafe zu Bußgeld, Punkten oder Fahrverbot.
Das ist falsch! Die MPU ist keine Strafe, sondern eine Überprüfung. Sie soll sicherstellen, dass der Betroffene aus seinen Verfehlungen gelernt hat und künftig keine Gefahr mehr für andere Verkehrsteilnehmer darstellt.
Die MPU ist reine Geldmacherei.
Die lassen einen absichtlich durchfallen, damit man eine zweite MPU machen muss und sie doppelt verdienen.
Diese Aussage ist in zweierlei Hinsicht falsch.
Die Begutachtungsstelle profitiert nicht davon, wenn du durchfällst
Solltest du die MPU bei einer Begutachtungsstelle tatsächlich nicht bestehen, hast du die freie Wahl, die nächste MPU bei einer anderen Stelle durchzuführen.
Das bedeutet: Die Stelle, bei der du nicht bestanden hast, hat nichts davon, dich durchfallen zu lassen. Sie können gar nicht wissen, ob du dich für eine erneute MPU bei ihnen oder bei einer anderen Stelle entscheidest.
Viele glauben, dass sie in Deutschland, weil sie hier eine MPU machen müssen dadurch schlechter behandelt werden, als die Verkehrsteilnehmer im Ausland
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Die MPU gibt es tatsächlich nur in Deutschland und Österreich. Studien zeigen jedoch, dass dieses System effektiver ist als die Ansätze anderer europäischer Länder, die keine MPU kennen.
Warum? Die MPU prüft, ob Verkehrssünder verstanden haben, wie es zu ihrem Fehlverhalten kam, und ob sie Maßnahmen ergriffen haben, um solche Vergehen in Zukunft zu vermeiden. Das Ziel ist nicht Bestrafung, sondern Wiederherstellung der Fahreignung und Sicherheit im Straßenverkehr.
Vergleiche mit anderen EU-Staaten zeigen, dass die Rückfallquote in Deutschland dank der MPU deutlich geringer ist als in Ländern ohne ein solches System.
In Deutschland wird man härter bestraft, als im Ausland.
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Ein weiteres Missverständnis: Viele glauben, dass Verkehrssünder im Ausland besser behandelt werden.
Das Gegenteil ist oft der Fall, wie die folgenden Beispiele zeigen:
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Estland: Hohe Bußgelder schon bei geringen Mengen Alkohol.
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Island: Lebenslanges Fahrverbot bei schweren Verstößen.
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Österreich: Geldbußen von 800 bis 3.700 Euro bei Drogen am Steuer.
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Italien: Geldstrafen bis zu 6.000 Euro, Führerscheinentzug, Gefängnis.
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Frankreich: Bußgelder bis zu 75.000 Euro und zwei Jahre Haft bei über 0,8 Promille.
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Schweiz: Vier Jahre Haft für erhebliche Geschwindigkeitsüberschreitungen.
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Spanien: Sechs Monate Gefängnis oder 90 Tage gemeinnützige Arbeit ab 1,2 Promille.
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Niederlande: Geldstrafen von bis zu 8.200 Euro, drei Monate Gefängnis, und bis zu fünf Jahre Führerscheinentzug bei Fahren ohne gültige Fahrerlaubnis
Diese Beispiele zeigen, dass es im Ausland deutlich drastischere Strafen gibt als in Deutschland.
Ich finde, dass das System hier in Deutschland mit der MPU sehr fair ist, denn ein großer Vorteil ist u.a., dass du hier die MPU ohne Beschränkungen wiederholen kannst. D. h., selbst wenn dir schon zum dritten, vierten oder fünften Mal die Fahrerlaubnis entzogen wurde, bekommst du dennoch immer wieder die Chance erneut eine MPU machen zu können, um zu zeigen, dass du dich inzwischen gebessert hast, neue Strategien entwickelt hast und somit die Wahrscheinlichkeit deutlich geringer geworden ist, dass du zukünftig durch weitere Vergehen im Straßenverkehr auffällst.
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Man sollte die MPU auf jeden Fall sehr ernst nehmen und sich wirklich gut darauf vorbereiten. Ich sage meinen Klienten, die MPU ist eine Mischung aus einer Prüfung und einem Vorstellungsgespräch. Du musst dich auf jeden Fall so präsentieren, dass der Gutachter ganz klar erkennen kann, dass du dich intensiv mit deinen Vergehen auseinandergesetzt hast, dein Verhalten geändert hast und funktionierende Strategien entwickelt hast um künftige Vergehen zu vermeiden
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Woher kommt der Begriff „Idiotentest“, wie die MPU im Volksmund oft genannt wird?
Früher mussten diejenigen, die dreimal hintereinander die theoretische Führerscheinprüfung nicht bestanden hatten zur MPU. So entstand der Begriff „Idiotentest“, weil man davon ausging, dass mit diesen Kandidaten irgendetwas nicht stimmen kann.
