Bei der MPU
Jeder, der zur MPU geht, ist aufgeregt! Das ist völlig normal. Das wissen die Psychologen dort natürlich. Also, mach dich nicht verrückt. Sei einfach aufgeregt!
Die MPU besteht aus vier Teilen:
Fragebogen, Leistungstests, ärztliche Untersuchung, Gespräch mit der Gutachterin
Zu Beginn der MPU wird man in der Regel gebeten, einen Fragebogen auszufüllen.
Die Begutachtungsstellen haben ihre jeweils eigenen Fragebögen, die sich etwas unterscheiden, sie sind sich aber dennoch ziemlich ähnlich.
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Hier ein Beispiel, wie ein Fragebogen aussieht:
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Teil 1
hier werden folgende Angaben erfragt:
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Name, Geburtsdatum, Geburtsort
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Private Situation: ob man allein lebt oder mit anderen zusammen
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Familienstand und Staatsangehörigkeit
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Berufliche Situation
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Hobbys und Freizeitinteressen
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Angaben zum Führerschein: welchen Führerschein man hatte
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Teilnahme an Schulungen oder Maßnahmen
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Ob man sich mit Unterstützung eines Fachmenschen auf die MPU vorbereitet hat
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Ob noch ein Strafverfahren offen ist
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Ob man in den letzten zehn Jahren bereits eine MPU gemacht hat
Falls bereits eine MPU durchgeführt wurde, sollte man diese Frage unbedingt wahrheitsgemäß bejahen. Selbst wenn das Gutachten der letzten MPU nicht in der Führerscheinakte vorhanden ist, gibt es Vermerke darüber, dass ein Antrag auf Neuerteilung der Fahrerlaubnis gestellt wurde. Daran kann der Gutachter erkennen, dass schon eine MPU stattgefunden hat.
Teil 2: Gesundheitsfragen
Im zweiten Teil des Fragebogens geht es um Fragen zur körperlichen und geistigen Gesundheit.
Der Gesundheitsfragebogen dient dazu festzustellen, ob es körperliche oder geistige Beeinträchtigungen gibt, die deine Fahrtauglichkeit einschränken könnten
Teil 3: Fragebogen zu Alkohol und/oder Drogen
Fragen zum Thema Alkohol:
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Trinken Sie noch Alkohol? Wenn ja, wie oft und wie viel?
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Haben Sie früher regelmäßig Alkohol getrunken?
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Haben Sie früher nur zu besonderen Anlässen getrunken?
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Gab es durch den Alkoholkonsum gesundheitliche Probleme?
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Kennen Sie aus der Vergangenheit Erinnerungslücken, sogenannte Filmrisse?
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Gab es Zeiten, in denen Sie morgens schon Alkohol getrunken haben?
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Wurde Ihnen von anderen geraten, weniger zu trinken oder ganz aufzuhören?
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Wurden Sie schon einmal wegen Alkoholproblemen behandelt?
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Hatten Sie Entzugserscheinungen?
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Waren Sie schon einmal in einer Entgiftung?
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Waren Sie schon einmal in einer Alkoholentwöhnungsbehandlung?
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Haben Sie an einer Selbsthilfegruppe teilgenommen?
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Haben Sie Abstinenzbelege auf EtG erstellen lassen?
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Wurden in der Vergangenheit bei Ihnen Leberwerte bestimmt?
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Wenn ja, wann? Gab es dabei Auffälligkeiten?
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Wie bewerten Sie Ihren früheren Umgang mit Alkohol selbst?
Hier stehen folgende Auswahlmöglichkeiten zur Verfügung:-
Kein Problem
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Gewohnheitsmäßiger Konsum
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Missbrauch
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Abhängigkeit
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Kreuze „Abhängigkeit“ nur an, wenn in deiner Führerscheinakte ein ärztliches Dokument mit der Diagnose „Abhängigkeit“ vorliegt!
Fragen zum Thema Drogen:
In diesem Fragebogen sollst du angeben, welche Drogen du konsumiert hast, von wann bis wann, und wie oft. Außerdem werden auch Fragen zu deinem Alkoholkonsum gestellt.
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In welchem Alter haben Sie angefangen, Drogen zu nehmen? Welche waren das?
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Sind Sie körperlich abhängig geworden?
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Sind Sie psychisch abhängig geworden?
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Waren Sie schon einmal bei einer Drogenberatungsstelle?
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Gab es therapeutische Maßnahmen?
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Waren Sie wegen Drogen schon einmal in einer stationären Behandlung?
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Waren Sie wegen Drogen in einer ambulanten Behandlung?
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Gab es eine Alkoholentwöhnungsbehandlung?
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Haben Sie Abstinenzbelege erstellen lassen?
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Wenn ja, welche? Urinscreenings und/oder Haaranalysen?
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Ganz wichtig:
Die Angaben, die du in diesen Fragebögen machst, müssen natürlich identisch sein mit den Angaben, die du bei der Ärztin und der Psychologin machst.
Wenn du unterschiedlichen Angaben machst, verlierst du sofort an Glaubwürdigkeit. Nach dem Motto: „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht mehr.“ Das bedeutet, dass alles, was du in der MPU noch sagst, angezweifelt wird. In diesem Fall wäre die MPU schon gelaufen.
Achte also unbedingt darauf, dass du keine widersprüchlichen Angaben machst!
Leistungstests:
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Zur Erfassung des psycho-funktionalen Leistungsvermögens werden durch normierte Testverfahren die für die Fahreignung relevanten Leistungsbereiche überprüft: Aufmerksamkeit, Konzentration, Belastbarkeit, Orientierungsfähigkeit und Reaktionsfähigkeit.
Die Testergebnisse werden in Prozent angegeben. Das bedeutet, dass man maximal 100 % erreichen kann, wobei das schlechteste Ergebnis 0 % ist.
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Keine Sorge: Man braucht vor diesen Tests wirklich keine Angst zu haben!
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Für den PKW-Führerschein musst du gerade mal 16 % erreichen
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Für den Lkw-Führerschein: 33 %
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Die Testverfahren:
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Es gibt verschiedene Testverfahren. Die Begutachtungsstellen nutzen unterschiedliche, jedoch standardisierte, zugelassene Testsysteme.
Die drei häufigsten Tests, die durchgeführt werden:
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Adaptiver Tachistoskopischer Verkehrsauffassungstest (ATAVT)
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Cognitrone (COG)
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Determinations-Test (DT)
Wenn bei einem der drei Tests das Ergebnis unter 16 % liegt, aber in den anderen Tests jeweils über 33 % erreicht wurden, kann dies damit ausgeglichen werden.
Falls jedoch ein Ergebnis unter 16 % liegt und keiner der beiden anderen Tests über 33 % ist, werden zwei weitere Tests durchgeführt, beispielsweise:
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Linienverfolgungstest (LVT)
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Reaktionstest (RT)
Erfolgschancen:
Aus meiner über 30-jährigen Erfahrung in der MPU-Vorbereitung weiß ich, dass etwa 95 % der Kandidaten diese Tests bestehen.
Probleme bei Leistungstests und die Fahrverhaltens-Beobachtung
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Bei jüngeren Menschen habe ich noch nie erlebt, dass jemand diese Tests nicht bestanden hat. Probleme haben in der Regel entweder ältere Menschen, d. h. meist Personen über 60, oder Menschen mit gewissen Einschränkungen. Aber wie gesagt, das sind nur sehr wenige.
Falls jemand tatsächlich die erforderliche Prozentzahl nicht erreicht und damit bei den Tests durchfällt, aber sonst alles in Ordnung ist – d. h., der Psychologe und die Ärztin haben keine Bedenken, ein positives Gutachten auszustellen –, gibt es die Möglichkeit einer Fahrverhaltens-Beobachtung.
Wie läuft so eine Fahrverhaltens-Beobachtung ab?
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Du suchst dir zunächst einen Fahrlehrer.
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Gemeinsam fahrt ihr zur Begutachtungsstelle. Natürlich musst du vorher einen Termin ausmachen.
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Der Gutachter setzt sich dann mit ins Auto.
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Ähnlich wie bei einer Führerscheinprüfung musst du eine Weile fahren und zeigen, dass du keine Probleme im Straßenverkehr hast.
Diese Option wird in der Regel nur von Menschen benötigt, die – wie gesagt – meistens älter sind und mit den Tests am Computer nicht so gut zurechtkommen, aber dennoch sicher Auto fahren können.
Wenn du fehlerfrei gefahren bist, bekommst du ein positives Gutachten!
Hinweise zur Vorbereitung auf die Fahrverhaltens-Beobachtung
Je nachdem, wie lange du keine Fahrerlaubnis mehr hattest, solltest du Folgendes bedenken:
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Eingeschränkte Übung: Vielleicht bist du nicht mehr so sicher im Umgang mit der Fahrzeugbedienung.
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Aktualität der Verkehrsregeln: Eventuell bist du nicht mehr auf dem neuesten Stand, was die Verkehrsregeln betrifft.
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Fehlerhafte Gewohnheiten: Manche Regeln, wie z. B. der Schulterblick beim Abbiegen oder das vollständige Anhalten an einem Stoppschild, könnten in Vergessenheit geraten sein.
Es macht daher Sinn, vor der Fahrverhaltens-Beobachtung mindestens ein bis zwei Stunden mit deiner Fahrlehrerin oder deinem Fahrlehrer zu üben. So kannst du überprüfen lassen, ob alles in Ordnung ist, und dich gegebenenfalls korrigieren lassen.
Erfolgsquote
Aus meiner langjährigen Erfahrung kann ich sagen, dass ich noch nie erlebt habe, dass jemand die Fahrverhaltens-Beobachtung nicht geschafft hat.
Die Leistungstests im Einzelnen:
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Bei allen Tests bekommst du selbstverständlich eine detaillierte Einweisung.
Wenn du etwas nicht verstanden hast, kannst du natürlich nachfragen.
Es gibt immer zunächst eine Übungsphase, in der du dich mit dem Ablauf vertraut machen kannst. Erst danach folgt die eigentliche Testphase.
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Das Eingabegerät:
Für die Tests wird ein spezielles Eingabegerät der Firma Schuhfried verwendet:

Adaptiver Tachistoskopischer Verkehrsauffassungstest (ATAVT)
Dauer: ca. 5 Minuten
Dieser Test dient der Erfassung und Bewertung deiner Aufmerksamkeitsleistung und der Fähigkeit zur schnellen Überblicksgewinnung in Verkehrssituationen.
Dir werden Bilder von Verkehrssituationen gezeigt, die jeweils nur für eine kurze Zeit zu sehen sind. Anschließend wirst du gefragt, welche Details du auf den Bildern erkannt hast.
Hier ein Beispiel:

Cognitrone (COG) Dauer 10 Minuten
Das ist ein Test zur Erfassung und Bewertung der Konzentrationsfähigkeit.
Es werden vier Figuren nebeneinander gezeigt, die mit einer darunter zu sehenden Figur zu vergleichen sind. Durch Tastendruck sollst du angeben, ob die jeweilige untere Vergleichsfigur mit einer der Figuren in der oberen Reihe identisch ist oder nicht.
Drücke auf die grüne Taste, wenn die untere Figur mit einer der oberen Figuren übereinstimmt.
Zwei Figuren stimmen immer dann überein, wenn sie genau über einander gelegt werden können. Details oberhalb oder unterhalb der Figuren sind dabei auch wichtig. Die Figuren dürfen dabei aber nicht verdreht oder umgeklappt werden.
Drücke auf die rote Taste, wenn die untere Figur mit keiner der oberen Figuren übereinstimmt
Beispiel:

Determinations-Test (DT)
Dauer: ca. 15 Minuten
Dieser Test dient der Erfassung und Bewertung deiner reaktiven Belastbarkeit.
Dir werden optische und akustische Signale in einer bestimmten Sequenz präsentiert:
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Fünf Farbsignale
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Zwei Töne
Deine Aufgabe ist es, durch Drücken der entsprechenden Tasten auf der Tastatur so schnell wie möglich auf diese Signale zu reagieren.
Das Tempo des Tests passt sich laufend deiner individuellen Arbeitsgeschwindigkeit an.
In dem Beispiel hier musst du schnell auf die rote Taste des Eingabegerätes drücken

Linien-Verfolgungstest (LVT)
Dauer: ca. 10–20 Minuten
Dieser Test dient der Erfassung der Orientierungsleistung im visuellen Bereich und der selektiven Aufmerksamkeit.
Natürlich bekommst du auch hier eine detaillierte Erklärung und eine Übungsphase, bevor die eigentliche Testphase beginnt.
Im Test werden dir unterschiedliche Testbilder mit jeweils neun verschlungenen Linien gezeigt. Deine Aufgabe ist es:
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Herauszufinden, bei welcher Zahl die Linie unten ankommt.
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Die entsprechende Zahl auf der Tastatur einzugeben – und das so schnell wie möglich.
Hier ein Beispiel:

Reaktionstest (RT)
Dauer: ca. 4 Minuten
In diesem Test wird deine Reaktionsgeschwindigkeit überprüft.
Deine Aufgabe:
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Lege einen Finger auf die goldene Fläche (siehe Bild unten).
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Beobachte den schwarzen Punkt. Sobald er gelb wird – und das ist nur für einen sehr kurzen Augenblick – musst du so schnell wie möglich auf die breite schwarze Taste drücken.
Dieser Test erfordert höchste Konzentration, da der Farbwechsel nur für eine sehr kurze Zeit sichtbar ist.

Die ärztliche Untersuchung:
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Vor der ärztlichen Untersuchung brauchst du auch keine Angst zu haben.
Es geht dabei ganz einfach darum, festzustellen, ob es aus medizinischer Sicht Einschränkungen deiner Fahreignung gibt. Gesundheitliche Beeinträchtigungen können möglicherweise Folgeerscheinungen von vermehrtem Alkohol- oder Drogenkonsum sein.
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Verschiedene Erkrankungen, zum Beispiel des Herzens, Epilepsie, Diabetes oder eventuell Demenz, können die Fahrtüchtigkeit unter Umständen auch negativ beeinflussen. Das kann auch bei psychischen Erkrankungen der Fall sein, wie zum Beispiel schweren Depressionen oder Schizophrenie.
Die Ärztin oder der Arzt wird dich unter anderem nach Vorerkrankungen, Beschwerden und einer möglichen regelmäßigen Medikamenteneinnahme fragen.
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Manche Ärzte stellen auch detaillierte Fragen zu deinem vorherigen Alkohol- und/oder Drogenkonsum, z. B.: Was wurde getrunken? Wie oft? Wie viel? Wie regelmäßig oder unregelmäßig? Bei welchen Gelegenheiten?
Es findet außerdem eine körperliche Untersuchung statt. Dein Herz und deine Lunge werden abgehört, es wird überprüft, ob alle Gliedmaßen beweglich genug sind, und deine Reflexe werden getestet. Ferner wird man dich bitten, auf einer geraden Linie entlangzugehen, auf einem Bein zu stehen und mit geschlossenen Augen mit dem Zeigefinger deine Nasenspitze zu berühren.
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Bei einer Fragestellung bezüglich Alkohol wird auf jeden Fall Blut abgenommen, das dann auf die Leberwerte untersucht wird.
Bei einer Fragestellung zu Drogen muss Urin abgegeben werden, mit dem ein Drogenscreening durchgeführt wird.
Das psychologische Gespräch mit dem Gutachter/der Gutachterin (Psychologe/Psychologin):
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Manche Gutachter geben einem viel Freiheit, ausführlich zu erzählen, während andere häufiger unterbrechen, Zwischenfragen stellen oder etwas genauer wissen möchten. Manche sagen auch: "Das möchte ich jetzt gar nicht hören." Das hängt von der Persönlichkeit des Gutachters und seiner Strategie ab, das MPU-Gespräch zu gestalten.
Dabei ist der Psychologe jedoch nicht völlig frei. Er muss sich an bestimmte Vorgaben aus den Beurteilungskriterien halten, die den Rahmen des Gesprächs festlegen.
Letztlich entscheidet sich im Gespräch mit dem Psychologen oder der Psychologin, ob es zu einem positiven Gutachten kommt oder nicht!
Wie schon erwähnt, fallen nur sehr wenige bei den Tests durch, und selbst dann kann man noch die Fahrverhaltensbeobachtung absolvieren. Dieser Teil führt daher nur äußerst selten zu einem negativen Gutachten.
Es kommt ebenfalls sehr selten vor, dass die MPU aus medizinischen Gründen nicht bestanden wird. Das bedeutet, dass die ärztliche Untersuchung einem positiven Gutachten in der Regel nicht im Wege steht.
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Wenn es bei der MPU um Alkohol oder Drogen geht, wird oft ein Nachweis über Abstinenz für einen bestimmten Zeitraum gefordert. Wenn der Kandidat eine Abstinenz nachweisen müsste, aber ohne Abstinenznachweise erscheint, kann das natürlich nicht zu einem positiven Gutachten führen!
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Aus all diesen Gründen wird deutlich, dass das Untersuchungsgespräch mit dem Gutachter oder der Gutachterin von entscheidender Bedeutung ist.
Um es noch einmal klar zu sagen: Es nützt überhaupt nichts, wenn man bei den Tests sehr gut abgeschnitten hat, die richtigen Abstinenznachweise vorlegen kann und auch der Arzt keinerlei Einwände hat, wenn man die Psychologen nicht überzeugen kann.
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Es geht dabei nicht darum, etwas auswendig Gelerntes herunterzuspulen.
Es gibt leider unseriöse MPU-Vorbereiter, die den Klienten beibringen:
Auf Frage A musst du diese Antwort geben, auf Frage B jene Antwort.
Ein erfahrener Gutachter erkennt jedoch schnell, ob jemand nur auswendig gelernte Antworten wiedergibt oder sich wirklich mit seinen individuellen Problemen auseinandergesetzt hat.
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Das Gleiche gilt, wenn jemand meint, es reiche aus, sich ausschließlich mit einem Buch oder Informationen aus dem Internet auf die MPU vorzubereiten. Es gibt Anbieter, die für teures Geld Fragenkataloge mit angeblich richtigen Antworten verkaufen. Das ist absolut nicht empfehlenswert!
Ich habe mir solche Fragenkataloge angesehen, und dabei standen mir die Haare zu Berge. Zum einen enthalten diese Kataloge völlig unsinnige Fragen, die in der MPU überhaupt nicht gestellt werden. Zum anderen sind dort zum Teil völlig falsche Antworten angegeben.
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Der Gutachter muss erkennen können, dass man sich intensiv mit den Ursachen und Hintergründen der eigenen Vergehen auseinandergesetzt hat und versteht, wie es dazu kommen konnte – egal, ob es um Alkohol, Drogen, zu schnelles Fahren oder Straftaten geht.
Dieses Gespräch kann 30 Minuten oder auch 90 Minuten dauern, je nachdem, wie umfangreich die Führerscheinakte ist und ob es um eine oder mehrere Fragestellungen geht. Die meisten Gespräche dauern etwa 45 Minuten.
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Ich werde oft gefragt, ob man gleich erfährt, ob man bestanden hat. Ich rate meinen Klienten immer, auf jeden Fall zu fragen. Viele glauben, dass man das nicht tun sollte, aber das ist ein Irrtum. Natürlich darf und sollte man fragen!
Es ist allerdings eher selten, dass die Gutachterin gleich sagt: "Sie haben bestanden." Das ist die große Ausnahme. In der Regel wird nicht mit einem klaren Ja oder Nein geantwortet. Meistens gibt es eine von zwei Möglichkeiten einer Antwort:
"Wir müssen natürlich noch die Ergebnisse der Laboruntersuchungen abwarten und ich muss noch mit der Ärztin sprechen, aber von meiner Seite sieht es ganz gut aus, ich habe keine Bedenken."
Das bedeutet im Prinzip, dass man höchstwahrscheinlich bestanden hat – vorausgesetzt, die Abstinenznachweise und Laborwerte sind in Ordnung. Wie erwähnt, spricht aus medizinischer Sicht nur selten etwas dagegen.
Oder:
"Ich muss noch in Ruhe darüber nachdenken und mich mit der Ärztin besprechen. Sie sind schon auf einem guten Weg."
Das heißt in der Regel: aber leider noch nicht angekommen.
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In manchen Fällen wird einfach nur gesagt:
"Warten Sie es ab. Sie bekommen das Gutachten zugeschickt."
Das Gutachten wird in der Regel innerhalb von etwa drei Wochen zugeschickt. Verzögerungen können jedoch vorkommen, etwa über Weihnachten und Silvester oder in der Urlaubszeit im Sommer Das liegt vor allem daran, dass sowohl der Psychologe als auch die Ärztin das Gutachten im Original unterschreiben müssen. Wenn z. B. die Ärztin im Urlaub ist, kann sich das Ganze verzögern.
